Die Reise des Landfrauenvereins Bad Oldesloe und Umgebung in die Oberlausitz

Unsere Reiselust führte uns in diesem Frühjahr in der Zeit vom 22.04. – 26.04.2013 ins östliche Dreiländereck Deutschlands, in die Oberlausitz. Wir waren gespannt auf die Städte Görlitz, Bad Muskau, Bautzen und nicht zuletzt Zittau, wo wir zu unser aller Zufriedenheit in einem sehr schönen Hotel mit guter Bewirtung untergebracht waren.

Die Anreise bei schönem Wetter verlief reibungslos und am nächsten Morgen trafen wir unseren Reiseführer, der uns über drei Tage begleiten würde.

Schloß Muskau in der Geburtsstadt des Fürsten Hermann von Pückler- Muskau
Schloß Muskau in der Geburtsstadt des Fürsten
Hermann von Pückler- Muskau

Wir fuhren durch die landschaftlich sehr schöne Muskauer Heide bis in den gleichnamigen Ort

Er ist die Geburtsstadt des Fürsten Hermann von Pückler- Muskau. Bekannt war er nicht nur als genialer Landschaftsarchitekt, sondern auch als Genießer und Frauenliebhaber. Eben ein Künstler, der es verstand, dem Leben neben der Arbeit auch die schönen Seiten abzugewinnen.

Wir unternahmen zunächst einen geführten Spaziergang durch den sehr schön in den Jahren 1815- 1845 angelegten, 830 ha großen Park. Leider ist er durch die Lausitzer Neiße geteilt. Ein Drittel des Parks liegt nur im deutschen Teil, zwei Drittel davon auf der nun polnischen Seite. Eine neu aufgebaute Brücke verbindet beide Teile des Parks.

Kastanienbusch im Park Schloß Muskau
Kastanienbusch im Park Schloß Muskau

Eine besondere Attraktion im Park ist ein Kastanienbusch mit einem sehr großen Ausmaß, dessen Knospen kurz vor der Entfaltung standen. So etwas hatten wir noch nie gesehen. Nach einer kurzen Mittagspause in einem kleinen Restaurant am Schloss, das ganz wunderbar nach der Wende total im alten Stil wieder aufgebaut worden ist, hatten wir die Gelegenheit über die Grenzbrücke auf einen „Polenmarkt“ zu gehen.

Hier haben dann einige Damen von unserer Gruppe einige günstige Dinge erwerben können. Nachmittags fuhren wir Görlitz. Seit dem Jahr 1300 hat der Ort die Stadtrechte. Hier konnten wir den alten Stadtkern besichtigen. Glücklicher Weise wurde die Stadt im 2. Weltkrieg nicht zerstört, sodass die gute Bausubstanz der Spätgotischen-, Renaissance- und Barockbürgerhäuser erhalten geblieben ist. Leider wurden die Häuser während der DDR- Zeit nicht gepflegt, sind aber nach 1989 wieder sehr gut restauriert worden. Sie glänzen wieder in alter Pracht. Sogar die Filmindustrie hat sich der Schönheit dieser Stadt bemächtigt. Es hat uns sehr beeindruckt. Görlitz ist eine geteilte Stadt.

Am letzten Kriegstag 1945 wurden alle 7 Brücken, die über die Neiße führten, gesprengt.

Brücke in Görlitz
Brücke in Görlitz

Neue Brücken sind gebaut worden, über die man heute wiederungehindert in den östlichen und eigenständigen polnischen Teil der Stadt Görlitz (Zgorzelec) kommen.  Auf der Rückfahrt zum Hotel kamen wir an den Braunkohlefeldern, wo im Tagebau die Kohle abgebaut wurde, vorbei, die zur Renaturierung freigegeben worden sind und später eine sehr große Seenlandschaft zur Naherholung bilden werden.

Am Vormittag des 3. Tages ging es in die historische Hauptstadt der Oberlausitz, nach Bautzen. Sie trägt auch den sorbischen Namen „Budysin“. 5- 10% der Bevölkerung sind Sorben. Die Stadt erhebt sich auf einem Hochplateau über der Spree. Von der Altstadtmauer konnten wir bei Sonnenschein in das Flusstal hinab sehen. Weiter ging es über einen Friedhof an der Ruine der Nikolai- Kirche und   vorbei an der Wasserkunst durch kleine Gassen und Straßen mit ihren nach der politischen Wende im Jahr 1989 sehr schön restaurierten alten Gebäude in die Altstadt. Natürlich kamen wir um eine Geschmacksprobe des berühmten Bautzener Senf`s nicht herum. Das musste sein! Eine kleine Pause über Mittag hatten wir zur freien Verfügung. Auf der Weiterfahrt konnten wir noch einmal die schöne Silhouette der Stadt sehen, allerdings auch das in der Ferne liegende berühmt berüchtigte Gefängnis der Stadt, das während der DDR- Herrschaft mit dem Namen „Stasi- Knast“ tituliert wurde. Hier wurden politische Gegner des Regimes unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert. Diese Art der Inhaftierungen ging nahtlos von der Nazi- Herrschaft auf die SED- Herrschaft über. – Ein unschönes deutsches Kapitel. – Weiter ging es zur Abtei St. Marienstern. Die Anlage liegt unmittelbar an der Via Regia, einer alten Handelsstraße. Dort leben und arbeiten Nonnen des Zisterzensier Ordens seit 750 Jahren. Ein dortiger Gästeführer erzählte uns, dass diese Klosteranlage vom sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft unterstützt wird. Ein großer Schul- und Kräutergarten ist in der Anlage entstanden. Hier arbeitet das Christlich- Soziale- Bildungswerk Sachsens mit den Schwestern des Ordens zusammen. Es werden dort Seminarreihen wie „Treffpunkt gesunde Ernährung“ und „Clever und kreativ kochen“ für Schülergruppen und Erwachsene angeboten. – Sehr vorbildlich, war unsere einhellige Meinung!

Am 4. und letzten Tag wollten wir nun auch unseren Aufenthaltsort Zittau erkunden. Gleich nach dem Frühstück ging es los. Auch hier sahen wir viele schöne alte Gebäude, wie z.B. dem Rathaus im Neorenaissancestil, das im späten Klassizismus erbaute Johanneum oder die im neogotischen Stil entstandene Baugewerke- Schule. Leider wurden in Zittau ca. 60% der alten Bauten abgerissen. Viele sehr schöne Brunnen stellen die Wasserversorgung der Stadt sicher.

Gruppenbild vor dem Marsbrunnen in Zittau
Gruppenbild vor dem Marsbrunnen in Zittau

Vor dem Marsbrunnen haben wir unser Gruppenfoto „geschossen“.

Der Spaziergang durch den Ort hatte sich gelohnt und endete wieder am Hotel, von wo aus wir dann zum Bahnhof gefahren wurden, um mit der Schmalspurbahn gemächlich nach Oybin ins Zittauer Gebirge zu fahren. – Der Ort liegt in einem Tal und ist von bewaldeten Sandsteinbergen umgeben.

Der Berg Oybin, ein Sandsteinmassiv
Der Berg Oybin, ein Sandsteinmassiv

Schon vom Bahnhof aus sahen wir ein beeindruckendes Sandsteinmassiv, den Berg Oybin. Wir meinten, er sieht ein bisschen so aus wie ein Bienenkorb. Ein kleiner Aufgang zum Berg führte uns in eine kleine im Barock- Stil erbaute Kirche. Sie ist direkt in den Bergabhang gebaut worden.

So kann man in Stufen hinab zum Altar gelangen. Die Sitzreihen sind ebenso wie in einem Theatergebäude stufenweise hinein gebaut worden. Die kleine Bergkirche ist mit sehr schönen Deckenmalereien versehen und wirklich eine Besonderheit!      
Unsere Rundreise führte uns weiter nach Obercunnersdorf, wo wir einen schönen Spaziergang durch den Ort machen konnten. Hier stehen 250 mit Schiefer eingedeckte Umgebinde- Häuser. Sie bestehen immer aus mindestens zwei Stockwerken. Hier wurde das Obergeschoss auf ein aus Holzpfeilern umbautes Untergeschoss gesetzt. Es wurde „umbunden“. Das Handwerk der Leinenweber wurde in diesen Häusern ausgeübt. Die Eingänge der Häuser sind immer mit einem sehr schön verzierten Sandsteinportal umgeben. Zu jedem Haus gehört ein wunderschöner Blumengarten.

Besuch im Kloster Marienthal
Besuch im Kloster Marienthal

Die Fahrt ging weiter zu dem auf unserem Weg zum Hotel liegenden Kloster Marienthal. Die 800 Jahre alte Anlage des Zisterzensierinnen- Klosters liegt direkt an der Neiße. Wir erfuhren, das es heute eine Stiftung bürgerlichen Rechts ist. Eine internationale Begegnungsstätte, wo Erholungssuchende immer willkommen sind.

Hier gibt es jährlich etwa 19.000  Übernachtungen von Tagungs- und Urlaubsgästen. Die Gebäude sind im Barock- Stil erbaut worden und nach dem fürchterlichen Hochwasser im August 2010 wieder sehr gut hergestellt und gereinigt wurde. Bevor es zurück zum Hotel ging, konnten wir oberhalb der Klosteranlage in einem Gartencafé sehr gemütlich eine Kaffeepause einlegen. – Ein schlesischer Abend rundete den Tag ab.Der 5. Tag brachte nun die Heimreise. Unser Busfahrer Herr Pöhlsen fuhr mit uns über Potsdam, der Hauptstadt von Brandenburg. Nach einer kleinen Rundfahrt durch den Ort konnten wir hier unser Mittagessen einnehmen. Dies war ein sehr schöner Abschluss unserer interessanten Tour ins Zittauergebirge. Vielen Dank sagen wir unserer Reiseleiterin Christel und „unserem“ Herrn Pöhlsen!

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